Industrie 4.0 - warum es in Deutschland nicht klappen wird

Du versuchst zusammen mit ein paar Kumpels ein Startup zu gründen das nicht die neueste Dating-App in einem 5-Minuten-Pitch an den Mann bringen kann, weil das Produkt einfach zu komplex ist um es in 5 Minuten zu pitchen? Du bekommst Ansagen das Du das nicht "gut genug" (auf Kinderniveau) runtergebrochen hast? Dann willkommen in meiner Welt....

Politiker aller Parteien sagen das die sogenannte Industrie 4.0 wichtig ist um den Fortbestand der deutschen Wirtschaft zu sichern - recht haben sie. Aber diese Erkenntnis scheint nicht bis zu den Chefetagen der Unternehmen durchzudringen. Klar gibt es Lippenbekenntnisse das man "mehr" in Technologien wie IoT investieren muss. Aber seien wir mal ganz ehrlich (und ich spreche hier aus 1. Hand):

Die meisten Chefs und Entscheider in deutschen Unternehmen leiden an zwei ganz grundlegenden Krankheiten:

  1. Risikoscheue
  2. Not-invented-here-Syndrom

Reden wir mal über Punkt 1:
Entscheider in deutschen Unternehmen werden dazu erzogen sich möglichst nicht zu bewegen. Weil: wer nichts macht macht auch nichts falsch.
Aus einem ähnlichen Grund der Risikovermeidung wird lieber ein System von einem der großen Anbieter wie SAP, IBM, Oracle, etc. gekauft als das innovative System von einem kleinen Startup das die viel besser passende und zukunftssichere Lösung zu nierigeren Kosten anbieten kann. Niemand wird dafür gefeuert SAP gekauft zu haben. Ist ja der Marktführer... Solange sich dieses Verhalten nicht ändert haben es Startups
und kleine Unternehmen schwer Fuß zu fassen.
So wird das mit Industrie 4.0 und einer breiten Masse von kleineren Unternehmen, die maßgeschneiderte Lösungen anbieten, nichts werden.

Zu Punkt 2:
Entscheider befragen normalerweise ihre Mitarbeiter was sie von einer externen Lösung halten und ob diese ihre Arbeit erleichtern würde. Das ist auch richtig so. Aber einem Entscheider muss bewusst sein das die Aussagen von Mitarbeitern immer unter dem Not-invented-here-Syndrom leiden können. Wir reden hier von Dingen die üblicherweise nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören und in Problemen von denen die Mitarbeiter keine tiefgehenden Kenntnisse haben.
Es ist leicht zu verstehen das die meisten Mitarbeiter eine externe Lösung kritisch betrachten. Sie birgt ja immer die Möglichkeit das man seine eigene Arbeit entwertet und/oder sich evtl. sogar obsolet macht. So werden Entscheidungen eher gegen eine externe Lösung ausfallen obwohl - und das ist das Paradoxon dabei - alle Beteiligten die Überlegenheit der externen Lösung betonen. Man entscheidet sich wider besseres Wissen gegen eine externe Lösung weil die "nicht durchsetzbar" sei.

Ich habe das in meiner Praxis viele Male so erlebt.
Wie soll in so einem Umfeld ein Startup Fuß fassen?!?! Die Unternehmen töten die Innovationen, die ihr Geschäft beflügeln könnten, durch halbgare Lösungen die von den eigenen Mitarbeitern erstellt werden. Das ist nicht die Schuld der Mitarbeiter. Sie bekommen meist gar nicht genug Unterstützung und Zeit um eine gute Lösung zu erstellen. Die Mitarbeiter sollten doch viel mehr Zeit darauf verwenden Lösungen für das Kerngeschäft zu erstellen als sich mit Dingen zu beschäftigen die kein Alleinstellungsmerkmal sind.
Noch paradoxer wird das Ganze wenn man hört das viele Firmen händeringend Personal für die IT suchen. Also ist die Lösung die Mitarbeiter die man hat mit Dingen zu belasten die nicht zum Kerngeschäft gehören?
Hört sich nicht schlau an.

Genau hier können Startups und kleine Unternehmen mit innovativen Lösungen helfen den Ressourcenmangel zu mildern. Aber man gibt ihnen keine Chance dazu. Man hört es sei kein Geld da um einen Testballon mit einem Startup zusammen steigen zu lassen.
Mal ganz ehrlich: Geld war in den Unternehmen mit denen ich gesprochen habe nicht das Problem.